Am kommenden Samstag findet das Handballspitzenspiel der Herrenoberliga statt. Der Tabellenführer SG Ratingen erwartet den Zweitplatzierten SG Langenfeld um 18 Uhr an der Gothaer Straße. Der Ratinger A-Jugendbundesliga-Coach Leszek Hoft ist gleichzeitig auch der Headcoach für die gegnerische Mannschaft aus Langenfeld.

Leszek, du kennst nicht nur die Ratinger Hallen durch dein Engagement bei unserer A-Jugend bestens, sondern hast auch besonderen Bezug zur Ratinger Mannschaft trotz deiner Tätigkeit in Langenfeld. Wie kommt das?
Ich war früher als Trainer für die SG Solingen tätig und habe gleichzeitig die Auswahl trainiert. In diesem Rahmen hat bereits über die Hälfte des Ratinger Kaders unter mir trainiert.

Wer genau?
Die Ratinger Spieler Janus, Kasal, Giela, Mensger, Bartmann, Tormann Bothe, der verletzte Schult und beide Schlierkamps. Natürlich nicht alle gleichzeitig!

Da du das Team so gut kennst, was ist deiner Meinung nach die größte Stärke der Ratinger Löwen?
Fast alle Jungs haben bereits hochklassig gespielt und Bundesligaluft geschnuppert. Die jüngeren Spieler wurden sehr gut ausgebildet. Die Handballerfahrung der Mannschaft besonders im taktischen und individuellen Bereich liegt über Oberliganiveau. Ein weiterer Vorteil ist, dass einige Spieler schon vorher zusammengespielt haben und gut aufeinander eingestellt sind.

Sind sie verdient auf dem ersten Tabellenplatz?
Ja, absolut. Sie verfügen über eine insgesamt gut aufgestellte Mannschaft und einen sehr guten, erfahrenen Trainer. Sie konnten bisher die Leistung abrufen, die von ihnen erwartet wurde. Die Mannschaft ist da, wo sie hingehört und ist für mich auch nach wie vor absoluter Meisterkandidat.

Was kann Langenfeld den Löwen entgegensetzten, damit wir uns auf ein packendes Handballspiel am Samstag freuen können?
Kampfgeist und Leidenschaft. Ratingen hat die Favoritenrolle, der Erwartungsdruck liegt also bei den Gastgebern. Wir können demnach locker aufspielen.

Ist dieses Spiel vielleicht schon eine leichte Vorentscheidung im Rennen um die Meisterschaft?
Das denke ich nicht. Auch wenn wir derzeit auf Platz zwei der Tabelle stehen, haben Mönchengladbach und Remscheid definitiv mehr Substanz und werden im Kampf um die Meisterschaft noch ein ernstes Wörtchen mitreden. Diese Oberligasaison verspricht trotz der klar vergebenen Favoritenrolle an die Ratinger bis zum Schluss spannend zu bleiben.

Warum wäre für den Tabellenersten am Ende der Saison dann trotzdem noch nicht der direkte Aufstieg in die dritte Liga besiegelt?
In die dritte Liga West können nur zwei Vertreter der drei Oberligen Westfalen, Mittelrhein und Niederrhein aufsteigen. Westfalen ist anteilig sehr groß, weswegen Mittelrhein und Niederrhein zusammengefasst werden. Der absolute Sieger zwischen den Meistern der jeweiligen Ligen muss also erst in einer Relegation ermittelt werden.

Wie müssen wir uns das vorstellen?
Vor den Osterferien ist bereits Schluss mit der Oberligasaison. Die Mannschaften haben dann 2-3 Wochen Zeit, sich je auf ein Hin- und ein Rückspiel vorzubereiten. Danach steht fest, wer sich mit dem Titel “Aufsteiger in die dritte Bundesliga” rühmen darf. Ich kenne das Verfahren deswegen so gut, weil ich es vor zwei Jahren selbst durchlaufen habe. 
Ich durfte damals mit Gummersbach (Meister Oberliga Mittelrhein) gegen Remscheid (Meister Niederrhein) in der Relegation antreten und anschließend nach zwei packenden Spielen den Aufstieg in die 3. Liga feiern, in der Gummersbach bis zum heutigen Tag weilt.

In der Hinrunde ward ihr Gastgeber der Partie und musstet euch vor vollem Haus geschlagen geben. Wie schätzt du den Ausgang des Rückspiels ein?
Wir werden leider nicht vollzählig antreten können. Gleich drei wichtige Stammspieler fallen verletzungsbedingt aus. In diesem Spiel müssen die jungen Spieler die Verantwortung übernehmen. Sie werden sozusagen ins kalte Wasser geworfen und können Erfahrungen sammeln gegen gestandene Oberligaspieler. Ich denke dabei vor allem auch an nächste Saison. Trotzdem werden wir alles geben. Die zwei Niederlagen, die Ratingen in der Rückrunde kassiert hat, zeigen, dass die Mannschaft sich vor allem selbst schlagen kann, doch das heimische Publikum wird das sicher zu verhindern wissen und den Löwen den Rücken stärken.