Auch wenn an dieser Stelle lange nichts von Herrn EsGehFir zu hören war – es geht ihm gut, und er hat den Spaß am Handball noch nicht verloren. In eindrucksvoller Manier wurde das am vergangenen Samstag unter Beweis gestellt, als es nahezu in Minimalbesetzung das Lokalderby mit dem TuS Lintorf III zu bestehen galt. Nach einer allenfalls mäßigen ersten Halbzeit steigerte sich die SG4‑Truppe in einen wahren Spielrausch und schickte den Tabellenführer am Ende ungefährdet mit 31:25 (10:16) nach Hause.

Dies könnte der Anfang einer kleinen Serie sein, denn bereits im vorhergehenden Meisterschaftsspiel kurz vor den Karnevalstagen entführte man zum Auftakt der dritten Meisterschaftsspielrunde beim 21:17 (10:10)-Erfolg gegen die SG Unterrath III zwei wichtige Punkte aus der Landeshauptstadt. Und jetzt das Derby gegen den Stadtrivalen mit einem denkwürdigen Finale.

Aber der Reihe nach: Die Ausgangslage ließ wenig Fragen offen. In den diesjährigen zwei Saisonspielen gegen den Tabellenersten gab es – trotz guter Leistung vor allem im zweiten Aufeinandertreffen – nichts zu holen. Zu deutlich konnte Lintorf das Potenzial seines breiten Kaders ausschöpfen. So war die Marschroute des Gastgebers für Samstag auch, konzentriert und geschlossen aufzutreten und zu schauen, ob man den Favoriten ärgern kann. Schon im ersten Durchgang zeigte sich, dass Lintorf nicht in Bestbesetzung auflief – ein Zustand, der bei EsGehFir seit Monaten herrscht, fällt doch verletzungsbedingt immer noch fast eine komplette Sieben mit Stammplatzansprüchen aus. Die Schwäche des Gegners nutzen konnten die Hausherren gleichwohl (noch) nicht. Zu unkonzentriert agierte man sowohl in der Abwehr als auch im Angriff. Hinten bekam man den Gäste-Shooter von halblinks, der allein die Hälfte der Lintorfer Treffer erzielte, nicht in den Griff. Und wenn doch einmal, übersah man den freien Gegenspieler am Kreis. Vorn durfte sich Rechtsaußen Appenowitz wieder auf der Spielmacherposition beweisen, und das durchaus vielversprechend. Immer wieder keimten gute Spielansätze auf, die aber zu häufig ein jähes Ende im überhasteten Abschluss oder Fehlpass der Nebenleute fanden. Mit hinzukommendem Frust standen sich die Hausherren selbst im Wege. So stand zur Halbzeit ein klarer, mit wenig Aufwand herausgeworfener 6-Tore-Vorsprung der Gäste zu Buche.

In der Pause sprach Coach Plönes die Defizite ruhig an, mahnte zu mehr Disziplin und stellte in der Abwehr auf 5:1 um. Diese kleinen Stellschrauben brachten den SG-Motor sodann richtig auf Touren. Der Lintorfer Shooter, dem fortan lediglich noch zwei Treffer nach Freiwurf und vom 7m‑Punkt gelangen, war praktisch abgemeldet. Konzentriert und entschlossen wie selten legten die „Inaktiven“ los. Nach 6 Minuten und einem 4:0-Lauf sahen sich die Gäste bereits zur Auszeit genötigt. Nach weiteren 4 Minuten rieben sich beim Blick auf die Anzeigetafel einige in der Halle die Augen: Linkshänder Wirtz, sonst in Diensten der dritten SG-Vertretung, versenkte von rechts außen aus spitzem Winkel sehenswert zum 18:18-Ausgleich. Lintorf war bereits einigermaßen genervt, berappelte sich einstweilen aber wieder. Die Partie wurde nun zum spannenden Spielchen mit ständig wechselnder 1-Tore-Führung. Im Minutentakt ging es hin und her. Spielprägend in dieser Phase allen voran das Dreier-Wechsel-Paket Hoffmann-Feldhoff-Grüll am Kreis, unterstützt durch die von Ellrott und Heidel besetzten Halbpositionen. Anspannung und Nervosität stiegen auf beiden Seiten. Schließlich war Herr EsGehFir schon des Öfteren bis kurz vor Schluss auf Schlagdistanz geblieben, stand am Ende aber mit leeren Händen da. Und tatsächlich schien das Drehbuch eine ähnliche Wendung zu nehmen: Bei 25:24-Führung und vier Minuten Restspielzeit wurde dem Ratinger Mittelmann eine zweiminütige Zwangspause verordnet. So etwas bringt gern mal einen Bruch in den Spielfluss. Diesmal aber nicht – ganz im Gegenteil. Im Abwehrbollwerk wurde mächtig Beton angerührt. Wenn doch einmal ein Ball durchkam, steigerte sich Torwart Christian Stenz von Parade zu Parade und vernagelt zeitweise den Kasten. Den Gästen gelang noch genau ein Tor. Auf der Gegenseite aber ging die Post ab, entweder mit direktem Pass des Keepers auf den pfeilschnellen Wirtz und den zwangsausgeruhten Appenowitz, oder mit Klasse-Anspielen an den Kreis. Die letzten drei Minuten mit fünf blitzsauber und schnell herausgespielten SG-Toren lassen einen noch nach Tagen schwärmen und krönten eine 21:9-Halbzeit fast wie aus dem Lehrbuch. Der letzte Treffer gebührte nach dem perfekten Drehbuch kurz vor der Schlusssirene wieder dem Youngster Wirtz. Danke für das tolle Spiel und Deine Unterstützung, Patrick! So hätte es auch noch eine Halbzeit weitergehen können …

Mit diesem vorläufigen Highlight der Saison hat man die Aufstiegspläne des Gegners gehörig durchkreuzt, musste dieser doch seine Tabellenführung an die gleichzeitig siegreichen weiteren Lokalrivalen vom TV abgeben. Für die EsGehFir-Truppe gilt es jetzt, den Schwung aus der Kurve mitzunehmen, am kommenden Sonntag eine noch offene Rechnung in Erkrath zu begleichen und dann mit vollem Tempo Kurs auf das Lokalevent im Derby mit dem TV Ratingen am 30. März 2019 zu nehmen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Auf der Platte heißt es dann wieder: Herzlich willkommen an der Gothaer Straße, Tabellenführer! Naja, von der sportlichen Ausgangslage her eigentlich keine Chance zu haben – so mag das Herr EsGehFir!

9.3.2019  SG Ratingen IV – TuS Lintorf III 31:25 (10:16)
SG IV: Stenz – Appenowitz (4), J. Ellrott (7), Feldhoff (2), Grüll (3), Heidel (5), Hoffmann (4), König (1), Matthes, P. Wirtz (5).

24.2.2019   SG Unterrath III – SG Ratingen IV 17:21 (10:10)
SG IV: Lux, Stenz – Appenowitz, J. Ellrott (4), Grüll, Heidel (1), Hoffmann (6), König (1), Matthes, Poock, Vangelista (8), P. Wirtz (1).