Das Lebenszeichen der SG war bei dem bisherigen Saisonverlauf auch dringend notwendig. Trotz eines hoffnungsvollen Auftaktsiegs bei der SG Unterrath (30:24) überwogen nach einem völlig verfoulten Derby gegen den TuS Lintorf (13:18) und einer krachenden Niederlage beim TuS Erkrath (13:26) schnell Enttäuschung und Frust. So hatte man sich den Ligaauftakt nicht vorgestellt. Immerhin war man nicht ratlos, denn für die beiden herben Schlappen zuletzt gab und gibt es Gründe. Quasi der gesamte Rückraum ist derzeit verletzungs- oder berufsbedingt außer Gefecht gesetzt. Hinzu kommen in wechselnder Besetzung leider weitere stetige Ausfälle aus gesundheitlichen Gründen oder wegen familiärer Verpflichtungen. Auch am Samstag trat (fast) das letzte Aufgebot der SG4 an. Nominell neun Spieler, davon zwei mit Blessuren bzw. erkältungsbedingt gehandicapt. Die Wechseloptionen von Coach M. Plönes tendierten noch vor dem Anwurf gegen Null. Aus der Not heraus musste sich Jungtorwart S. Feldhoff nach langer Zeit mal wieder ein Feldtrikot überziehen. Und mit dieser Rumpftruppe empfing man niemand Geringeren als den Tabellenführer. Andere Mannschaften sind an solchen Herausforderungen schon zerbrochen – Herr EsGehFir nicht!

Die Ausgangslage ließ keine Illusionen zu, und so war erklärtes Ziel, den Favoriten gehörig zu ärgern und ihm den ein oder anderen Nadelstich zu verpassen. Die Gäste ihrerseits ahnten wohl so etwas oder trauten den letzten Ergebnissen nicht. Jedenfalls wollten sie im Duell mit dem Lokalrivalen auf Nummer sicher gehen und fuhren in voller Mannschaftsstärke an der Gothaer Straße vor. Davon ließen sich die Hausherren gleichwohl nicht einschüchtern und setzten alles auf die eine Karte: Mannschaftliche Geschlossenheit. Angetrieben von einer stemmigen Teamansprache bewies die EsGehFir-Truppe von Beginn an die richtige Einstellung und Moral. Die Laufbereitschaft stimmte auf allen Positionen, Kommunikation und Zupacken in der Abwehr liefern auf Hochtouren, kein Meckern bei missglückten Spielzugversuchen, kein Frustfoul, kleine Wehwehchen wurden lächelnd weggekühlt. Und damit lief es besser als gedacht. Ein Klassenunterschied war nicht zu bemerken. Die SG4 blieb stets auf Schlagdistanz, knappe Führungen der Gäste wurden prompt ausgeglichen. Der ungewohnten Formation gelangen immer wieder schöne Spielzüge, die durch die Doppel-Shooter J. Ellrott und A. Vangelista erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Sehenswert auch mehrere Anspiele an den Kreis, und nicht zuletzt der mittlerweile obligatorische Paradewurf von T. Appenowitz, der Rechts-Außen-Heber. Über 3:3, 7:7 und 13:13 war es ein Duell auf Augenhöhe. Und es wäre angesichts der Torchancen für die Hausherren sogar mehr drin gewesen.

Letztendlich setzte sich aber der TV Ratingen nach einer denkbar knappen Halbzeitführung im zweiten Durchgang schnell mit vier Toren in drei Minuten entscheidend zum 18:14 ab. Diesen Rückstand konnte Herr EsGehFir bis zehn Minuten vor Schluss konstant halten (23:19), ehe sich mit zunehmender Spieldauer die zahlenmäßige Überlegenheit der Gäste konditionell bemerkbar machte. Selbstverständlich darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Sieg zu Recht an das spielstärkere Team ging und auch in der Höhe verdient war. Für die SG als zweiter Sieger blieben aber Respekt und Anerkennung des Gegners, lobende Worte vom Coach und für alle das starke Gefühl, das Beste gegeben zu haben!

Dies sollte doch genug Selbstbewusstsein und Schwung für die nächsten Meisterschaftsspiele geben. Erst einmal gilt es aber, den guten Auftritt zu konservieren. Die kommenden vier Wochen Spielpause werden immerhin für vereinzelte Genesungsprozesse vorteilhaft sein. Die Saison ist noch lang, das nächste Derby kommt bestimmt und damit die Chance, die derzeitige ernüchternde Tabellenbilanz aufzubessern.

SG Ratingen: Stenz – Appenowitz (2), J. Ellrott (10/3), Feldhoff (1), Grüll (1), König, Matthes, Poock, Vangelista (8).