“Eine lange Geschichte” – Die Hinrunde aus anderer Sicht 22.01.2015: “Eine lange Geschichte” – Die Hinrunde aus anderer Sicht
Der Kader der Löwen zu Saisonbeginn 2014/2015
Etwas über die Hälfte der Spielzeit in der dritten Bundesliga West ist bereits vorbei. Die für viele Vereine schon beendete Weihnachtspause wird üblicherweise dazu genutzt, aufgedeckte Schwächen im sportlichen Bereich auszumerzen und, wo nötig, gegebenenfalls noch einmal personell nachzulegen. Letzteres möchten Verantwortliche und Trainer vermeiden. In manchen Fällen scheint dies aber unumgänglich, so wie zum Beispiel im Löwenrudel. Zwei Dinge gestalten sich hier aber deutlich anders. Erstens, der Zeitraum. Zweitens, die Häufigkeit. Eine Zusammenfassung:

Seit geraumer Zeit existiert eine nicht ganz unumstrittene Aufstiegsrelegation zwischen den beiden Meistern der Handballverbände Mittel- und Niederrhein. Nur einem der beiden ist der sportliche Klassensprung vergönnt, eine Tatsache die nicht nur in sportlicher Hinsicht für Missfallen im geneigten Gerechtigkeitssinn sorgt. Denn egal ob die vermeintliche Meisterschaft schon im Februar feststeht oder nicht, Planungssicherheit sieht anders aus. Die betroffenen Vereine müssen wohl oder übel zweigleisig planen, ein mitunter schwieriges Unterfangen dies auch von potentiellen Neuzugängen zu verlangen.

Im Falle der Ratinger Löwen konnte trotz der Unwägbarkeit ein schlagkräftiger Kader zusammengestellt werden, der in der neuen Spielklasse genug sportliches Leistungsvermögen mitgebracht hätte. Konjunktiv, denn schon zu einem frühen Zeitpunkt der neuen Saison wurde schmerzhaft deutlich, dass es anders kommen würde. In Marcel Müller, Alex Schult, Bastian Schlierkamp, Dominic Kasal, Anthony Pistolesi,  Jens Bothe und Magnus Schumacher brachen innerhalb weniger Tage gleich sieben Spieler des bestehenden Kaders weg. Konnte man in den verletzungsbedingten Ausfällen der Linkshänder Pistolesi und Schult sowie Rechtshänder Bastian Schlierkamp noch eine gewisse Vorahnung verlangen, war dies in den übrigen Fällen schlichtweg nicht vorherzusehen. Müller und Kasal mussten sich kurzfristig notwendig gewordenen Operationen unterziehen und alle fielen über einen vorerst auf einige Wochen bis hin zu Monate andauernden Zeitraum aus.

Mit unverhältnismäßig größeren Konsequenzen waren die Diagnosen für die letztjährigen Torhüter Bothe und Schumacher verbunden. Beide hatten Wochen zuvor noch ihren bedeutenden Anteil zum Aufstieg beigetragen, mussten nun aber dem Rat der behandelnden Ärzte folgen und ihre Leistungssportkarriere vom einen auf den anderen Tag beenden. Jegliche Kaderplanung konnte somit schon vor Beginn der Spielzeit ad acta gelegt und es musste schnellstmöglich für Ersatz gesorgt werden. Und trotz der zu erwartenden Schwierigkeiten konnte innerhalb kurzer Zeit auf zwei Positionen Entwarnung gegeben werden, nicht zuletzt dank der unbürokratischen und tollen Hilfe der Verantwortlichen von Mettmann Sport. Mit Tim Wittenberg kam ein Rückraumspieler per Zweitspielrecht nach Ratingen, Matthias Piecuch wechselte ganz in die Dumeklemmerstadt. Außerdem sorgte ein Novum in der noch jungen Geschichte der SG Ratingen für weitere Entlastung, denn in Alexandru Ionita verpflichtete Bastian Schlierkamp erstmals einen Handballer direkt aus dem Ausland für die Spielgemeinschaft.

So weit, so gut. Und als auch zumindest Dominic Kasal wieder zur Mannschaft stieß, hätte sich doch noch alles zum Guten wenden können. Konjunktiv, denn das hat es zu diesem Zeitpunkt doch noch nicht getan. Alexander Schult und Bastian Schlierkamp fielen weiterhin auf unbestimmte Zeit aus und das Abenteuer Deutschland endete sowohl für Alexandru Ionita als auch das gesamte Löwenrudel nach wenigen Wochen viel früher als gedacht. Und als wäre dies nicht genug gewesen fiel nun einer der Stützen im verbliebenen „Häufchen Aufrechter“ aus: Arthur Giela brach sich Mitte Oktober kompliziert den Finger und stand seinem Team für vier Wochen nicht zur Verfügung.

Doch auch dieser Rückschlag konnte dank des Einspringens von Routinier Chris Rommelfanger kompensiert werden. Er zeigte in den wenigen Einsätzen sofort, welche Bedeutung er in dieser Zeit für die Mannschaft hatte. Doch auch ihn ereilte das Verletzungspech. Im fünften Spiel brach er sich zum ersten Mal in seiner Karriere einen Knochen. Bitter für Spieler und Verein, aber wundern wollte sich bei den Löwen schon niemand mehr. „Dies muss doch der Höhepunkt in Sachen personeller Fluktuation gewesen sein!“, dachte man sich im Umfeld. Doch es war nur ein vorläufiger: Kurz nach Weihnachten verkündete mit Matthias Piecuch der vierte (!) Torhüter in der laufenden Saison seinen sofortigen Abschied aus beruflichen Gründen.

Erneut werden also alle Hebel in Bewegung versetzt, um den Ausfall zu kompensieren. Mit einer Doppellösung begegnet man derzeit dem Engpass, denn mit Maximilian Scholz (A-Jugend) und Michael Hoffend (2. Mannschaft) erklärten sich rudelinterne Torhüter bereit, den Aufwand zu teilen, um zumindest für den Notfall gerüstet zu sein.

Trotz aller Ausfälle, Rückschläge, Rücktritte und Nackenschläge – das Löwenrudel steht nicht schlecht da. Und wie es in Sondersituationen nun mal so ist,  rückt man unweigerlich näher zusammen. Doch trotz der positiven Aspekte will man im Rudel nur eins: Einfach mal ohne Ausfälle die Saison bestreiten.