4. Herren: Da wäre mehr drin gewesen! 08.11.2016: 4. Herren: Da wäre mehr drin gewesen!
Treffsicher wie nie: Marko Matthes
Ratingens Vierte bewies am vergangenen Wochenende einen merklichen spielerischen Aufwärtstrend, verstand es aber leider nicht, diesen in zählbare Punkte umzuwandeln. Beim DSC 99 Düsseldorf unterlag man denkbar knapp mit 26:27 (12:10). Nach den beiden vorhergehenden Pleiten schmerzt dies besonders deshalb, weil sie nach zwischenzeitlicher klarer Führung allzu vermeidbar war.

Es war fast eine Rumpfmannschaft, die am Sonntagnachmittag den Kurzausflug nach Düsseldorf auf sich nahm. Nach verletzungsbedingten Ausfällen und Absagen fehlten einige der zentralen Abwehrkräfte und verlässlichen Torschützen. Immerhin war sichergestellt, dass die Ersatzbank nicht gänzlich unbesetzt blieb. Nicht gerade ideale Voraussetzungen für das Match gegen den DSC, der in den zurückliegenden Jahren regelmäßig für einen knappen Spielverlauf sorgte und den Ratingern ein ums andere Mal eine Niederlage beibrachte. Da auch der Trainer verhindert war, galt es, Motivation und richtige Spieltaktik im Konsensverfahren zu finden. Dies gelang zur eigenen und zur Überraschung des Gastgebers besser als erhofft. Mit der – trotz Umstellung im Mittelblock – gewohnt starken Abwehr im Rücken ging endlich auch einmal nach vorn zielsicher die Post ab. Der Gast führte schnell mit 5:1 und 7:2 und konnte nach gut 10 Minuten bereits mehr Tore verzeichnen als sonst in mancher gesamten Halbzeit. Mit ausschlaggebend für das deutlich verbesserte Angriffsspiel war, dass die Außenpositionen deutlich an Durchschlagskraft zulegten. Mitte der ersten Hälfte hatte sich die Heimmannschaft jedoch genug die Augen gerieben und fand zunehmend besser ins Spiel. Davon wiederum ließ sich der Gegner beeindrucken und von seiner Linie abbringen. Entweder fehlte das Tempo im Angriff, oder die Abschlüsse wurden zu früh gesucht.

Der Ratinger Plan, den Start in die zweite Hälfte nicht (wie sonst gelegentlich) zu verschlafen, ging dann aber wieder bestens auf. Im Eiltempo schraubte EsGehFir die Halbzeitführung von 12:10 auf 16:10. In dieser Phase besonders auffallend trumpfte Linksaußen Marko Matthes auf, der – zur Verwunderung nicht nur seiner Mitspieler – mit drei Toren in Folge den dicken Knoten auf dem Weg zum Torerfolg endlich zum Platzen brachte. Und er hätte seine Torquote nahezu im Halbjahreskontingent ausschöpfen können, hätte er bei darauffolgenden guten Einschussmöglichkeiten nicht Torraumlinie und gegnerisches Gehäuse etwas aus den Augen verloren. Bei derartiger Spielaune ließen sich auch Andreas Gerard und Tobias Appenowitz nicht lumpen und machten Druck von außen. Boris Heidel setzte sich stark von der Mittelposition aus durch. Andreas Ellrott stemmte sich am Kreis gegen die enge Verteidigung. Youngster und Kapitän Jan Ellrott machte das Dutzend endlich mal wieder voll. Und im Tor entschärfte Christian Stenz nicht zuletzt drei Siebenmeter.

Doch dann brachte sich der Gast Mitte der zweiten Halbzeit aus unerklärlichen Gründen, vielleicht begünstigt durch einige kleinliche Schiedsrichterentscheidungen und Unterzahlspiel, wieder selbst aus dem Konzept und verteilte Geschenke. Ohne Not verfiel die Mannschaft in Hektik, verwechselte gebotenes Tempospiel mit überhasteten Pässen und Abschlüssen und verlor die Gegenspieler ein paarmal zu viel aus den Augen. Die erfahrenen Männer des DSC witterten sogleich die Chance und zogen ihr routiniertes und effektives Spiel konzentriert durch. Als diese dann in doppelter Unterzahl ohne Gegentor blieben und schließlich sogar den Ausgleich zum 22:22 erzielten, waren Spielwitz und Kampfgeist eines eigentlich schon geschlagenen Teams wieder zum Leben erweckt. Die Ratinger warfen einige Bälle unglücklich weg bzw. neben das Tor, während die Düsseldorfer in dieser Phase einfach weniger Fehler machten. Der Kampf bis zum Schluss wurde nicht belohnt, einem nochmaligen Angriff und der Chance auf den Ausgleich stand die abgelaufene Spielzeit im Weg.

Das Fazit: Zweimal gute 20 Minuten reichen nicht unbedingt für einen Sieg in einem Spiel, das letztendlich die konstantere, mit weniger Höhen, aber auch mit weniger Tiefen agierende Mannschaft nicht unverdient für sich entschied. Nach dieser überflüssigen Niederlage ist die SG4 in der Tabelle einstweilen ins Hintertreffen geraten. Bange machen für die weiteren Spiele und vor allem das Rückspiel gegen den DSC gilt aber nicht. Bei Tageslicht betrachtet deuten die guten Ansätze vom Wochenende auf gute Chancen hin, die Niederlagenserie bald zu beenden, vielleicht schon demnächst, wenn die Herausforderung gegen den Aufstiegsaspiranten TSV Norf ansteht … dann hoffentlich wieder mit Druck von der vollbesetzten Bank!

SG Ratingen: Stenz – Appenowitz, A. Ellrott (3), J. Ellrott (12), Gerard (2), Heidel (4), Herzberg, Koch (2), Matthes (3).