09.10.2017: 4. Herren: Licht und Schatten, wie eh und je!

Da haben sie binnen einer Woche wieder tief in ihrer Wundertüte gekramt, die Herren EsGehFier. Nach dem tollen Saisonauftakt griff man beim Gastspiel bei der TSG Benrath ziemlich daneben, kassierte eine herbe Pleite mit 12:16 (5:11), ehe man sich kräftig schüttelte, wieder zum Favoritenschreck wandelte und den TuS Reuschenberg II mit 28:27 (12:16) nach Hause schickte. Aber alles der Reihe nach.

Was war das für ein rabenschwarzer 2. Spieltag! Es muss an der nicht gerade entspannten Anreise in den südlichen Düsseldorfer Randbezirk, das anschließende Suchspiel, welche Hallentür geöffnet und welche Kabine bezugsfertig ist, und der verzögerten Anwurfzeit gelegen haben, dass Ratingen nicht auf dem Hallenparkett warm wurde. Ein Angriffsspiel fand zumindest in der ersten Halbzeit praktisch nicht statt: Kaum ein Spielzug zu erkennen, überhastete Abschlüsse, Anspiele mit höchstem Risikofaktor und wenn tatsächlich einmal eine Torchance aufblitzte, wurde der Ball in atemberaubender Kontinuität neben oder über das Tor geworfen.

Zugegeben, der Benrather Torwart war kein schlechter, entnervte Elli jun. & Co. zunehmend mit routiniertem Stellungsspiel und tollen Reflexen. Aber warum dann die Gäste auch noch auf Körpertreffer im Dutzend setzten, erschloss sich selbst dem fachkundigen Publikum nicht ohne Weiteres. Fünf Treffer in 30 Minuten bei einem Gegner auf Augenhöhe – unterirdisch! Immerhin, die Abwehr stand überwiegend gut, da gab es kaum etwas zu meckern. Elf Gegentreffer in einer Halbzeit, normalerweise führt man da. Bezeichnenderweise erzielten die Gastgeber die meisten Treffer nach Tempogegenstößen. So ist das nun einmal, wenn man vorn verwirft, klingelt es nicht selten hinten. Trotz klarer Fehleranalyse in der Pause und entschlossenem Zupacken auch im zweiten Abschnitt – das Abschlusspech ließ sich an diesem Tag nicht mehr abschütteln.

Wenn es so schlecht lief, spricht die EsGehFier-Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Topspiel folgt. Der Gegner TuS Reuschenberg zumindest schien passend, zog SG4 in den letzten Jahren doch regelmäßig den Kürzeren gegen das ambitionierte Neusser Team. Die erwartete Herausforderung zeigte sich auch von Beginn an. Reuschenberg war nahezu immer in Führung, jedoch lange Zeit nicht mehr als zwei Tore. Erst kurz vor der Pause konnte sich der Gast mit 16:12 absetzen. 16:12? Da war doch was? Dieses typische Halbzeitresultat stand in der Vorwoche nach 60 Minuten auf der Anzeigetafel, und diesmal sollte es doch anders laufen? Lief es auch! Für die – neben der gut sortierten Abwehrreihe – einzige Kontinuität im Vergleich zur Vorwoche stand in seinem dritten Spiel als Teammanager Moritz Plönes: mit kühlem Kopf, analytischem Blick und ruhigem Ton wies er den Männern um das Spielertrainerduo Vangelista & Steghofer den Weg, klare Kabinenansprache und Taktikwechsel inklusive. So lief es beim Rest endlich wieder anders und rund: Zwei Kreisläufer beschäftigen den Gegner, schafften für sich oder die Halben Platz, so dass vor allem die Shooter Jan Ellrott und Sebastian Hetzel den Weg zur Normalform finden konnten. Nach einem überzeugenden 16:11 in der zweiten Hälfte stehen unterm Strich zwei Pluspunkte für die Ratinger und nach einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder ein Sieg gegen Reuschenberg!

Die nüchternen Zahlen lassen aber allenfalls erahnen, was sich an diesem Sonntag Vormittag tatsächlich an der Gothaer Straße abgespielt hat: Nicht mehr und nicht weniger als neues Kapitel der EsGehFier-Legendenfibel! Nahezu ständig in Rückstand, vier Tore weg zur Halbzeit, schnelle und furiose Aufholjagd zum 18:18, wieder stetige Gästeführung, endlich die erste SG4-Führung beim 25:24, wieder Ausgleich, Rückstand, schließlich 27:26-Führung und Ballbesitz für die Gäste. Reuschenberg spielt den letzten Angriff aus, verwandelt zum Ausgleich und wirkt erleichtert, wenigstens nicht noch verloren zu haben. Bei 59:52 auf der Uhr scheint für alle in der Halle klar: Punkteteilung besiegelt. Dann schnelle Mitte der Hausherren, Pass auf Markus „Ösi“ Steghofer, der just für diese günstige Gelegenheit eine Kostprobe seiner feinen, unter Alpenluft antrainierten Wurftechnik bereithält, diese wahrlich nicht zu früh zelebriert und mit der Schlusssirene den umjubelten Siegtreffer markiert. Gibt es einen besseren Beweis für die Marschroute von EsGehFier? Genau, die hören niemals auf!

23.9.2017    TSG Benrath 81 I – SG Ratingen IV 16:12 (11:5)
SG IV: Stenz – Appenowitz, J. Ellrott (2), Friedsam, Heidel (1), Hetzel (3), Herzberg (2), Hoffmann (1), König, Matthes (1), Poock, von Beckerath, Vangelista (2).

1.10.2017    SG Ratingen IV – TuS Reuschenberg II 28:27 (12:16)
SG IV: Stenz – Appenowitz, J. Ellrott (10), Grüll, Heidel (2), Hetzel (7), Herzberg (1), König, Poock, Steghofer (2), von Beckerath (1), Vangelista (5).